Schmuck muss in meinen Augen etwas ganz Besonderes sein, ein einmaliges und authentisches Stück. Deshalb verarbeite ich für meine Reihe „Schmuck: privat“ Gegenstände der persönlichen Berufs- und Alltagswelt als Achtung und Wertschätzung ihrer Bedeutung und eigenen Ästhetik, Fundsachen und Erinnerungsstücke als wichtige Elemente eines individuellen Lebens sowie Altschmuck im Sinne einer Rückführung im Kreislauf von Werden und Vergehen.

OFFICE
Hin- und her gerissen zwischen den Welten Büroarbeit und Schmuckgestaltung sind die dabei entstehenden Objekte das folgerichtige Ergebnis dieses täglichen Spagats zwischen Beruf und Berufung. Was im Büro nicht mehr zum Einsatz kommt, erlebt in der Werkstatt eine wundersame Wandlung. Die Stücke geben einen unübersehbaren Hinweis auf die Tatsache, dass die Trägerin immer einen Job am Halse hat und demonstrieren augenzwinkernd Plage und Stolz zugleich.

HOMESTORIES
Wer lieber im häuslichen Umfeld auf dem Sofa seine Tage verbringt, statt sich den Anforderungen der bösen Außenwelt zu stellen, kann mit einem Interieurstück aus der geliebten Wohnung das Gefühl von sicherer Geborgenheit und anheimelnder Gemütlichkeit mit nach draußen tragen und überall spüren: „Home is, where my part is".

KITCHEN STUFF
Ein sträflich vernachlässigter Bereich im Leben der Schmuckfreundin ist der Großraum Küche. Statt zu raffinierten Menus inspirieren die ungenutzten Gerätschaften zu einer anderen Verwendung und lenken im günstigsten Fall ab von missratenen Speisen.

FIVE' O CLOCK TEA
Kochen ist nicht jederfraus Sache (siehe oben), aber manchmal müssen Gäste bewirtet werden. Einen Ausweg schafft eine Einladung zur Teezeit mit Konditoreiware. Wenn die Tortenschlacht beginnt, kann endlich die wahre Obsession ausgelebt werden…..

MUSIC HALL
„Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden" bemerkte schon trefflich Wilhelm Busch. Jetzt sind die friedensstörenden Instrumente ein für alle Mal aus dem tönenden Verkehr gezogen und verursachen bestenfalls optischen Lärm.

ANIMALFARM
Unbelastet von Sorgen um Gesundheit, Finanzen oder Zukunft, befreit von Beschaffung, Verwahrung und Pflege käuflicher Dinge und ohne Bewusstsein um die Endlichkeit des Lebens dürfen Tiere ihren unmittelbaren Bedürfnissen nachgehen oder sich ihrem Instinkt hingeben. Wem Hundehaltung oder Aquariumwartung nicht liegt, wer aber für seine Sehnsüchte nach Einfachheit ein Lebewesen aus dem Bereich der Fauna in seinem Besitze wünscht oder sich womöglich in ein solches verwandeln möchte, kann zumindest zeit- und teilweise und ohne lästige Begleiterscheinungen mittels eines an die Kette gelegten Tierchens seiner idealen Daseinsvorstellung näher kommen.

STORYTELLERS
„Erzähl keine Geschichten“ möchte man manchem Zeitgenossen zurufen, um unwahren Redefluss zu stoppen. Ganz anders verhält sich die Lage bei Schmuck. Da kann man nicht aufhören, hinzuschauen und aufzunehmen, was die Stücke über den Seelenzustand ihrer Trägerin preisgeben…

MONEY
makes the world go around…Warum seine Liquidität nicht direkt sichtbar machen und unmittelbar als Wert am eigenen Leib präsentieren? Wobei diese Maßnahme die eigentliche Finanzkraft nicht wirklich offenbart.

SCRAP VALUE
„Wer rastet, rostet“ heißt eine bekannte Warnung, die eine Beschleunigung allen Handelns und Tuns bezwecken will. Nicht immer jedoch führt rasante Schnelligkeit zu besten Ergebnissen – im Gegenteil, gut Ding will Weile haben: Die Zeit, so man sie lässt, arbeitet in vielen Fällen auf ideale Weise zu und schafft Höchstwerte, die nur noch geringfügiger Eingriffe zum vollendeten Schmuckstück bedürfen.

HUMAN CAPITAL
Nimmt man die Aussage, der Mensch sei heutzutage das größte Kapital, ernst, sollte man eventuelle angefallene Opfergaben für die Schmuckproduktion zu nutzen wissen und die frühe Tradition der Amulette wieder aufleben lassen, damit Kraft und Geist des ehemaligen Eigners auf den gegenwärtigen Träger wirken können.

CONTAINER TERMINAL
Wenn ein Behältnis einen Eigenwert bekommt, ist es nicht weit bis zum Umschlagplatz am Hals einer ambitionierten Schmuckträgerin.

UNTITLED
Was will uns der Künstler sagen? Gerne überlässt er die Interpretation und Beurteilung seines Werkes dem Betrachter, ohne ihm mit Hilfe eines Titels auf den rechten Weg zu führen. Alles ist offen, alles geht, und wenn der Rezipient selbst keine Eingebung hat, befindet er sich vielleicht in nächster Nähe zum Erschaffer, der so etwas natürlich weit von sich weisen würde.





Margit Tabel-Gerster  |  Impressum  |  Datenschutz