Finden und Erfinden sind die Ansatzpunkte meiner fotografischen Arbeiten. Porträt, Landschaft, Wahrnehmung einfach so – hier ist alles klassische Fotografie und „gekauft wie gesehen“. Aber ich spiele auch gerne göttliche Komödie, schaffe das Motiv oder die Szenerie selbst und lasse der Schöpferlust freien Lauf.

PORTRÄT
Ein Mensch zieht mich an. Wir nähern uns, ich gebe mich hin, öffne mich und den Verschluss der Kamera und nehme auf, was das Gegenüber für mich bereithält, in mir und auf der Schicht des Films. Spannungauslösender Moment. Danach brauche ich eine Phase der Ruhe und Verarbeitung, den Rückzug in die dunkle Kammer. Das Abenteuer ein zweites Mal erfahren, ein Glücksgefühl entwickeln und auf einem Stück Papier fixieren, die Erinnerung in Händen halten. Ja, es war gewesen! Und dann schnell wieder hinaus ins harte Licht der Wirklichkeit...

LANDSCHAFT
Sehnsucht nach draußen, raus aus der Stadt, Reiselust. Eher vor der Haustür als am Ende der Welt. Aufgenommen mit einer kleinen Plastikpanoramakamera.

WAHRNEHMUNG I
Die Dramatik des modernen Lebens und die Heiterkeit des alltäglichen Seins in einer 125stel Sekunde.

WAHRNEHMUNG II
Ein auf dem Flohmarkt entdecktes Kästchen mit Wörtern, gedacht für Kühlschrankpoesie, inspiriert mich zu Texten. Die Auswahl ist beschränkt: Ca 130 Substantive, 80 Verben, 40 Adjektive, dazu ein paar Artikel, Präpositionen und Konjunktionen, wenige Silben und eine Handvoll einzelner Buchstaben bilden den Fundus. Daraus mache ich schnelle Dreizeiler. Viele Möglichkeiten gibt es nicht, ich kann keine starken Verben beugen, nicht immer Plural bilden, wichtige Begriffe fehlen. Etwas geht immer und dann bringe ich Bilder und Texte zusammen.

STILL LEBEN
Gegenstände - ob nicht mehr gebraucht oder als Hinterlassenschaft eines Verstorbenen – erhalten in Bildern eine weitere Daseinsberechtigung und die Chance einer kleinen Unsterblichkeit.

SCHRIFT STÜCKE
Dinge und Texte aller Art werden zu besonderen Dokumenten, nicht immer auf den ersten Blick lesbar als bildgewordene Erinnerungsfetzen poetischer Träume oder erlesener Geschichten.

KOCH KUNST
„Food“ ist eigentlich nicht mein Thema, weder am Herd noch in der Fotografie. Eigentlich…Denn wenn ich wo bin, bereite ich aus regionalen Produkten kulinarische Köstlichkeiten zu. So lässt sich ein Ruhetag im Schlossrestaurant mit ertragreicher Ernte aus Garten und Park und besonderem Geschirr einigermaßen überbrücken. Und die wenig ambitionierte Klinikkost während einer gesundheitlichen Maßnahme an der Nordsee inspiriert zu einer Alternative mit kalorienarmen Mahlzeiten.

MODE WELT
Mich interessiert vor allem das Machen der Mode. Fotografierte reale Elemente, Strukturen, Texturen oder Formen geben mir die Muster. Das konkrete Filmmaterial ist der Roh-Stoff für die eigene „Kollektion M“. Mittels Montage entstehen aus dem Zuschnitt Negative für Vergrößerungen in der Dunkelkammer. Hier entwickeln sich durch unterschiedliche chemische Bearbeitung die Entwürfe.

BAU WERKE
Leer stehende verfallende Häuser machen mir die Endlichkeit der Dinge und des Lebens bewusst. Ich betrete sie und nehme, was ich vorfinde, auf und mit. Die Gegenstände bewahren mit ihrer Aura ein Stück vom Ort und der Zeit und die Fotografien helfen gegen das Vergessen. Manchmal begebe ich mich später im Fotolabor noch einmal in die Gebäude und gebe mich fiktiven Erinnerungen hin.

FUND SACHEN
Ich suche nicht, es findet mich. Überall. Oft mehr, als mir lieb ist. Manches muss ich liegenlassen, vieles kommt mit. Vor oder statt der Weiterverarbeitung zum Objekt oder Schmuckstück kann es sich auch in ein zweidimensionales Bild wandeln.

PLANTEN UN BLOMEN
Wie der gleichnamige Hamburger Park bietet mir die fotografische Beschäftigung mit allem Vegetabilen eine Art Naherholung zu Hause und ermöglicht ein gärtnerisches Austoben auch ohne grünen Daumen. Alle Arbeiten dieser Werkgruppe werden hier in der Vase, pardon, im Rahmen präsentiert.





Margit Tabel-Gerster  |  Impressum  |  Datenschutz